23#Albanien Und Bovilla-Stausee

Kartenstudium im nördlichen Albanien: die Kinder haben noch nie eine Landkarte von Albanien so gesehen!
Der zweite Teil Albanien beschreibe ich erst jetz und nur halblang, da wir beabsichtigen, nach dem Kosovo nochmal durch Albanien zu reisen. 
Der Lloganpass ist hart für unser Bijoubleu, vorsichtshalber öffnen wir den Kühler auf dem Pass und geniessen die atemberaubende Aussicht. Bei der Abfahrt entlädt sich die Wolke, die stark genötigt wird durch die Topografie des Küstenbereichs. Es kühlt ab.
Nach unserer Abreise in der Riviera mussten wir feststellen, dass die nördlicheren Strände zumeist stark mit Abfall überzogen waren und die Wasserqualität nicht nur sichtlich, sondern auch durch Recherchen im Internet als bedenklich oder stark verschmutzt deklariert werden. So machen wir nach nervenaufreibender Fahrt und Affenhitze in Vlora Halt. Der Strand ist hässlich verschmutzt. Wir fahren weiter. Von Durres fahren wir nach Tirana und kommen in Fushe-Kruje an. Wir werden in der sehr wenig touristisch besuchten Stadt interessiert aber zurückhaltend beobachtet. Ein Restaurants mit Wifi erlaubt uns unsere Planung für eine Übernachtung zu vereinfachen. Da wir genügend Zeit haben, wollen wir den Bovillastausee und die Kletterei begutachten und dann entscheiden, ob wir in einen weiter entfernten Camping fahren oder an diesem Platz übernachten, da sich Raimi irgendwie nicht wohl fühlt. Auf der holprigen Bergstrasse kommen uns in bester Rallyekunst Jungs im Teenageralter im Auto entgegen, während sie gerade ein anderes Auto überholen. Wir atmen tief durch. 40min benötigen wir bis zum Stausee.An etlichen Jungs die gerade irgendwelche Autos, Motorräder und sonstige Sachen demontierten oder reparierten fuhren wir vorbei...ich sah unser Bus schon in Einzelteile zerlegt...
Oben angekommen verliessen mich aber die Zweifel. Ein wunderbar abgelegener ruhiger Ort. Wir passieren eine Sicherheitssperre. Anscheinend wird der See 24h/365Tage von Seewächtern bewacht, die sich gerade an einem Tischchen unterhalten. Ich winke, lache, zeige denn Daumen, sowie ich das bereits tausendmal gemacht habe und hoffe auf positive Reaktionen. Wie in 999 Malen zuvor klappts und wir stellen den Bus gleich an den Rand des Stausees. Raimi die mittlerweile nicht mehr so gerne albanisch spricht, da sie den toskischen Dialekt des Albanischen nicht so gut versteht, schliesst sich im Bus ein,  während ich die Männer an Tisch fragen will, ob wir über Nacht bleiben können, da wir am nöchsten Morgen klettern wollen. Mit italienisch beginne ich, englisch spreche ich weiter und sage dann auf albanisch "schlafen und klettern", während ich mir mit Händen und Füssen helfe, dass sie mein Anliegen verstehen. Daumen hoch heisst für mich Auftrag erledigt. Doch werde ich ein wenig unsicher, als der eine gestikuliert, er werde auf uns schiessen, wenn wir dort oben am klettern sind. Erst als alle anfangen zu Lachen, bin ich ein wenig gelöst. Ach, keine Fremdsprache zu können und noch Witze machen in solchen Gegenden ist irritierend, aber ich bin wahrscheinlich zu paranoid. Raimi erzähle ich natürlich nicht alles und wir bleiben an diesem wunderbar ruhigen Ort. Nach dem Nachtessen kehren drei junge Mönner von einer Wanderung zu ihrem Auto zurück. Wie immer winke ich und wünsche guten Abend. Als der Eine uns auf Englisch fragt, wie es bei uns geht. Wir kommen ins Gespräch und unterhalten uns lange. Er will uns einladen, aber wir wollen nicht runter ins Dorf. Unser Kaffe wollen Sie nicht annehmen. Am nächsten Tag bei der Abfahrt sage ich Raimi noch, wir werden den sicher nochmal wiedersehen. Prompt treffen wir ihn 5min später, als er unseren Bus in der Agglo von Tirana wiedererkennt. Nun trinken wir Kaffee zusammen und unterhalten uns gespannt. Die Kletterei war eigentlich noch schön, aber es wurde dann zu heiss. So hielten wir am Bach und (unter)kühlten uns ab. Der Bach hat sich dort unglaublich schön in den Kalkstein eingefressen und ein Canyon gebildet. An diesem Platz hat ein Mann eine Einkehrmöglichkeit eingerichtet. Ich komme mit ihm in Kontakt, zu schreiben, dass ich ins Gespräch mit ihm gekommen sei, wäre übertrieben. Mit Händen und Füssen verständigen wir uns. Die zwei kleinen Töchter mustern mich seltsam und fragen sich bestimmt, warum ihr Vater mit diesem Typ nicht sprechen kann und von welchem Stern ich herkomme. Als Raimi und ich später den weiteren Reiseweg auf der Karte bestimmen wollen, kommen die drei interessiert zu uns. Erst jetzt spricht Raimi auch albanisch und wir unterhalten uns über die Route, Orte, Grossalbanien und die Töchter, welche gerade Ferien haben und anscheinend noch nie eine solche Landkarte gesehen haben.